Reise zu mir.
Außen österreichische Männer.
Innen auch einer.
Ich hatte immer österreichische Männer.
Ist mir ehrlich gesagt auch erst irgendwann aufgefallen.
Und dann musste ich lachen.
Denn in mir lebt ebenfalls einer.
Nur heißt er Joanna.
Joanna ist mein österreichischer Kopf.
Stark. Logisch. Faktenbezogen. Analytisch. Sie will verstehen, einordnen, prüfen, nachlesen und – seien wir uns ehrlich – manchmal auch noch einen Beleg dafür haben, dass der Beleg wirklich ein Beleg ist.
Joanna hat mir in meinem Leben verdammt gute Dienste geleistet.
Ich möchte sie nicht loswerden.
Warum auch?
Die Reise zu MIR begann für mich nicht damit, meinen Verstand abzuschaffen.
Sie begann auch nicht damit, plötzlich nur noch meinem Gefühl zu folgen.
Es ging um etwas anderes.
Um Augenhöhe.
Denn da war noch eine andere Kraft in mir.
Kalinka.
Meine weibliche Kraft.
Mein Fühlen. Meine Intuition. Mein Bauchgefühl. Das, was manchmal längst etwas wusste, während Joanna noch Excel-Tabellen im Kopf erstellte. Und irgendwann wurde mir bewusst, dass es für mich nicht darum gehen konnte, eine dieser Kräfte gewinnen zu lassen.
Ich wollte wissen, wie sie einander begegnen.
Auf Augenhöhe.
Vielleicht beschäftigt mich diese Frage auch deshalb so sehr, weil Namen in meinem Leben nie ganz nebensächlich waren.
Durch meine Einbürgerung verlor ich den Nachnamen meiner Mutter.
Das ist zunächst einmal eine Information.
Was sie für mich bedeutete, damals und heute, ist eine andere Frage.
Manches verstehen wir nämlich erst später.
Manches bekommt Jahrzehnte danach einen neuen Anschluss.
Und manches bleibt vielleicht einfach 0.
Ich weiß es nicht.
Heute schreibe ich diesen Blog als Kalinka Porte.
Nicht weil Joanna verschwunden wäre.
Im Gegenteil.
Sie sitzt hier mit am Tisch.
Natürlich tut sie das.
Wahrscheinlich kontrolliert sie gerade die Beistriche.
Aber Kalinka schreibt.
Vielleicht ist genau das ein Teil meiner Reise zu mir gewesen: meiner weiblichen Kraft nicht bloß zu erlauben, gelegentlich etwas zu fühlen, während der Kopf anschließend entscheidet, ob es vernünftig ist.
Sondern ihr einen gleichwertigen Platz zu geben.
Und irgendwann kam die nächste Frage:
Wenn ich mir schon wünsche, dass Frauen und Männer einander im Großen auf Augenhöhe begegnen, wie sieht es eigentlich im Kleinen aus?
In mir?
Wer hat dort das letzte Wort?
Wer wird ernst genommen?
Wer muss seine Wahrnehmung erst beweisen?
Wer darf einfach Information bringen?
Wie im Großen, so im Kleinen.
Wie oben, so unten.
Vielleicht.
Ich weiß nicht, ob es so ist.
Aber ich finde die Frage sehr interessant.
Und vielleicht beginnt genau hier dieser Blog.
Nicht mit einer Antwort.
Sondern mit einer Reise.
Die Reise zu MIR
